Das Schmugglergeheimnis

Kinder sind von Natur aus neugierig.

Warum ist das so? Was passiert dort? Wer könnte dahinterstecken? Und stimmt das überhaupt, was uns jemand erzählt?

Manchmal können uns genau diese vielen Kinderfragen dabei helfen, eine Brücke zum Lesen zu bauen. Denn gerade wenn Kinder in der zweiten oder dritten Klasse beginnen, längere Texte selbstständig zu lesen, ist Lesen noch Arbeit. Buchstaben müssen erkannt, Wörter zusammengesetzt und gleichzeitig muss auch noch der Inhalt verstanden werden. Da kann die Motivation schnell verloren gehen – besonders dann, wenn eine Geschichte das Kind inhaltlich überhaupt nicht interessiert.

Vielleicht müssen wir deshalb gar nicht immer sagen: „Du musst mehr lesen.“ Vielleicht sollten wir häufiger fragen: „Welche Geschichte macht dich so neugierig, dass du unbedingt wissen möchtest, wie sie weitergeht?“

Detektivgeschichten eignen sich dafür wunderbar. Denn hier lesen Kinder nicht einfach nur eine Geschichte. Sie dürfen beobachten, Vermutungen anstellen, Hinweise sammeln und selbst versuchen, den Fall vor den Detektiv*innen zu lösen.

Genau dazu lädt „Detektivbüro LasseMaja – Das Schmugglergeheimnis“ von Martin Widmark ein. Und das Schönste: Dafür muss man noch keine erfahrene Leseratte sein.

Das Buch auf einen Blick

Titel: Detektivbüro LasseMaja – Das Schmugglergeheimnis
Reihe: Detektivbüro LasseMaja, Band 38
Autor: Martin Widmark
Illustrationen: Helena Willis
Übersetzung aus dem Schwedischen: Maike Dörries
Verlag: Ueberreuter
Umfang: 96 Seiten
Lesealter: ab 8 Jahren
ISBN: 978-3-7641-5339-7

Darum geht es

Willkommen in Valleby! Eigentlich könnte in der kleinen Stadt alles ganz normal sein. Doch plötzlich tauchen ungewöhnlich billige Zigaretten auf.

Auch Taleb van Dango, der eigentlich längst mit dem Rauchen aufgehört hatte, greift wieder zu. Lasse und Maja können ihn zwar schnell davon überzeugen, damit wieder aufzuhören – doch für die beiden Nachwuchsdetektiv*innen bleibt eine entscheidende Frage: Woher kommen diese verdächtig günstigen Zigaretten überhaupt?

Lasse und Maja wittern einen neuen Fall. Sie beginnen zu ermitteln und ihre Spur führt sie schließlich bis zum Hafen von Valleby. Was steckt hinter den dubiosen Geschäften? Und können Lasse und Maja auch dieses Geheimnis lösen?

Mehr wird natürlich nicht verraten. Schließlich sollen die jungen Leser*innen selbst mit rätseln.

Warum Detektivgeschichten so schön zum Lesen motivieren können

Genau darin liegt für mich der besondere Reiz solcher Geschichten. Ein Krimi stellt automatisch Fragen.

  • Wer war es?
  • Warum verhält sich jemand merkwürdig?
  • Welches Detail könnte wichtig sein?
  • Haben wir vielleicht schon einen Hinweis übersehen?

Kinder werden damit beim Lesen zu aktiven Beobachter*innen. Sie müssen nicht einfach nur Seite für Seite konsumieren, sondern dürfen Vermutungen entwickeln und ihre eigenen Ideen mit der Geschichte vergleichen. Und plötzlich gibt es einen sehr guten Grund, noch eine Seite weiterzulesen: Man möchte die Lösung wissen.

Gerade für Kinder im beginnenden Lesealter kann diese Neugier ein wunderbarer Motor sein. Dabei spielt es übrigens überhaupt keine Rolle, ob ein Mädchen oder ein Junge das Buch in den Händen hält. Lasse und Maja ermitteln gemeinsam. Es gibt einen Fall und der möchte gelöst werden.

Ein Kinderkrimi für den Übergang zum selbstständigen Lesen

Mit seinen 96 Seiten ist Das Schmugglergeheimnis natürlich schon mehr als ein klassisches Erstlesebuch mit wenigen Sätzen pro Seite. Trotzdem wurde die Geschichte bewusst so gestaltet, dass Kinder ab etwa acht Jahren selbst einsteigen können. Der Verlag hebt die leichte Lesbarkeit und die vielen farbigen Illustrationen hervor.

Genau diese Mischung finde ich für die zweite und dritte Klasse spannend. Kinder möchten in diesem Alter häufig schon richtige Bücher lesen. Gleichzeitig können dicht bedruckte Romanseiten noch abschreckend wirken.

Illustrationen geben dann kleine visuelle Pausen und helfen dabei, die Geschichte lebendig werden zu lassen. Und trotzdem bleibt genügend Text, damit Kinder erleben können: Ich habe einen ganzen Krimi gelesen!

Auch solche Erfolgserlebnisse gehören für mich zur Leseförderung.

Lesen muss noch lange keine Einzeldisziplin sein

Und wenn 96 Seiten für das eigene Kind doch noch zu viel sind? Dann lesen wir eben gemeinsam.

Die Stiftung Lesen weist ausdrücklich darauf hin, dass Eltern häufig zu früh mit dem Vorlesen aufhören, sobald ihre Kinder in die Grundschule kommen. Gerade während des Lesenlernens kann gemeinsames oder abwechselndes Lesen weiterhin unterstützen.

Das lässt sich bei einem Krimi besonders schön umsetzen. Ein paar Seiten liest das Kind. Dann übernimmt Mama oder Papa. Zwischendurch wird gemeinsam überlegt:

  • Was wissen wir bisher?
  • Wen findest du verdächtig?
  • Welche Spur würdest du verfolgen?

Und vielleicht liegt das Lesezeichen am Abend genau an der Stelle, an der es besonders spannend wird. Dann möchte womöglich am nächsten Tag jemand ganz freiwillig weiterlesen. So entsteht Leseförderung nicht durch Druck, sondern durch ein gemeinsames Erlebnis.

Lasse und Maja – gemeinsam statt gegeneinander

Auch das Detektivduo selbst gefällt mir als Grundidee für junge Leser*innen. Lasse und Maja lösen ihre Fälle gemeinsam.

Es gibt nicht den einen genialen Helden, der alles allein kann. Beobachten, nachdenken, kombinieren und gemeinsam nach Lösungen suchen gehören zusammen. Auch deshalb funktioniert die Reihe für unterschiedliche Kinder.

Martin Widmarks Detektivgeschichten rund um Lasse und Maja sind inzwischen weit über Schweden hinaus bekannt und wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt. Illustratorin Helena Willis begleitet die Geschichten mit ihren charakteristischen Bildern.

Und falls dieser Fall gefällt, gibt es reichlich Nachschub: Beim Ueberreuter Verlag sind zahlreiche Abenteuer aus Valleby erhältlich.

Für welche Kinder eignet sich Das Schmugglergeheimnis?

Ich würde diesen Band besonders für Kinder ab etwa acht Jahren beziehungsweise ab Klasse 2 oder 3 empfehlen.

Vor allem eignet er sich für Kinder, die:

  • gerne rätseln und kombinieren,
  • Detektivgeschichten mögen,
  • Spannung brauchen, um am Lesen dranzubleiben,
  • von vielen Illustrationen zwischen den Textpassagen profitieren oder
  • den nächsten Schritt vom klassischen Erstlesebuch zum Kinderroman machen möchten.

Aber auch Kinder, denen das selbstständige Lesen noch schwerfällt, müssen nicht außen vor bleiben. Dann wird eben gemeinsam gelesen. Denn die wichtigste Frage sollte am Ende nicht sein: „Hat mein Kind alle 96 Seiten allein geschafft?“

Sondern: „Hat die Geschichte Lust auf die nächste Seite gemacht?“

Mein pädagogischer Blick

Gerade zwischen Klasse 2 und 3 passiert beim Lesen unglaublich viel. Aus dem mühsamen Entziffern einzelner Wörter soll nach und nach flüssiges Lesen werden. Gleichzeitig müssen Kinder lernen, den Sinn eines Textes zu erfassen und Zusammenhänge über mehrere Seiten hinweg zu behalten. Das braucht Übung.

Aber Übung muss nicht automatisch nach Arbeitsblatt aussehen. Ein Detektivfall kann Kinder ebenfalls dazu bringen, genau zu lesen. Denn wer einen wichtigen Hinweis übersieht, kann möglicherweise auch den Täter oder die Täterin nicht entlarven. Plötzlich bekommt Textverständnis einen ganz praktischen Sinn.

Kinder können nach einem Kapitel erzählen, was bisher passiert ist, Verdächtige sammeln oder Vermutungen notieren. In einer Klasse könnte sogar eine kleine Detektivakte entstehen:

  • Was wissen wir?
  • Welche Hinweise haben wir?
  • Wer ist verdächtig?
  • Welche Fragen sind noch offen?

So wird aus einer gemeinsamen Lektüre ganz nebenbei auch Textarbeit – nur deutlich spannender verpackt.

Mein Fazit

Detektivbüro LasseMaja – Das Schmugglergeheimnis zeigt sehr schön, wie Leseförderung aussehen kann, wenn wir die natürliche Neugier von Kindern nutzen.

Die jungen Leser*innen bekommen keinen riesigen Romanberg vorgelegt, sondern einen überschaubaren Kriminalfall mit 96 Seiten, vielen Illustrationen und einem Geheimnis, das gelöst werden möchte.

Lasse und Maja laden zum Mitdenken und Miträtseln ein – und genau dadurch entsteht Motivation, weiterzulesen. Für mich ist das ein schöner Übergang vom Erstlesebuch zu längeren Kinderbüchern.

Und falls das eigene Kind nach ein paar Seiten doch die Lust verliert? Dann übernimmt eben ein Erwachsener für eine Weile. Denn Leseförderung bedeutet für mich nicht, Kinder möglichst schnell beim Lesen allein zu lassen.

Wir dürfen Geschichten weiterhin gemeinsam entdecken. Wir dürfen vorlesen, Rollen verteilen, miteinander rätseln und uns überraschen lassen. Und irgendwann kommt möglicherweise der schönste Satz, den Eltern bei einem Buch hören können:

„Komm, nur noch ein Kapitel!“

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